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Der durchschnittliche US-Haushalt in den oberen 40% verdient heute viermal mehr als der durchschnittliche Haushalt in den unteren 60%. Das war nicht immer so. Ein Grund für diese in entgegengesetzte Richtungen laufende Entwicklung ist die Beobachtung, dass die Realeinkommen für die unteren 60% seit 1980 entweder konstant geblieben sind oder sogar leicht rückläufig waren.

Im Jahr 1980 hatte der durchschnittliche Top 40%-Haushalt sechsmal mehr Wohlstand als der durchschnittlich untere 60%-Haushalt. Jetzt ist es zehnmal so viel. Eingeflossen in diese Berechnung sind nicht nur die klas-sischen Grössen wie Einkommen und Vermögen. Auch die Auswirkungen von Steuern, Steuergutschriften und staatlichen Leistungen auf das Haushaltseinkommen wurden berücksichtigt.

Es ist gerade die Mitte der amerikanischen Gesellschaft, die den Anschluss verliert. Ihr Haushaltseinkommen steigt prozentual nicht nur weniger als das der oberen 40%, sondern auch geringer als die Einkommen am untersten Rand der Gesellschaft. Diese gefährliche Entwicklung begann 2005 und beschleunigte sich während und nach der Finanz- und Wirtschaftskrise. Die USA kommen jetzt zunehmend an den Punkt, an dem die Ein-kommens- und Vermögensunterschiede zu gross sind, als dass sie noch ignoriert werden könnten. Weil sich die Menschen vorwiegend mit jenen vergleichen, die mehr haben als sie selbst, können auch die erreichten Verbesserungen den mittleren und unteren Teil der Gesellschaft nicht zufriedenstellen, wenn diese gleichzeitig bemerken, dass der eigene Abstand zur Spitze der Gesellschaft beständig wächst.

Die reichsten 0.1% der Amerikaner haben seit den 1980er Jahren ihren Anteil am Reichtum des Landes beständig erhöht. Gleichzeitig haben die unteren 90% konstant an Boden verloren. Vollkommen neu ist diese Entwicklung nicht. In den 1920er Jahren sahen wir ein ähnliches Muster, das sich im folgenden Jahrzehnt dramatisch umkehrte. Anschliessend gab es eine fast 50-jährige Periode, in der die Massen an Wohlstand gewannen, während die Wohlhabenden an Boden verloren.

Es ist kein Zufall, dass sich der Populismus sowohl in den 1920er und 1930er Jahren als auch in den 2010er Jahren als politische Kraft etabliert hat. Das Ergebnis lässt sich auch an den US-Präsidentenwahlen mit Trump ablesen. Die Goldenen 20er endeten 1929 mit dem Börsencrash, dem die Weltwirtschaftskrise, die in den USA Grosse Depression genannt wird, folgte. Zur gleichen Zeit erreichten auch die Vermögen und Einkommen der reichsten Amerikaner ihren Höhepunkt. Ein Teil ihres Reichtums ging durch den Absturz der Aktienkurse verloren. Bis heute konnte der Rückgang nicht vollständig ausgeglichen werden, aber der Moment, in dem der Zustand von 1929 wieder erreicht ist, ist nicht mehr fern: 2019 oder 2020? Die Frage ist, was folgt danach. Geht der Anstieg ungebremst weiter oder sehen wir wie in den 1930er Jahren eine deutliche Wende? Damals wurden die notwendigen Veränderungen zunächst durch die Grosse Depression und anschliessend durch den Zweiten Weltkrieg erzwungen. Ein Generations-Reset, der den Reichtum erneut nach unten zu den unteren 60% um-verteilt, scheint heute wieder im Bereich des Möglichen zu sein. Die Veränderungen müssen nicht notwendiger-weise so kriegerisch verlaufen wie in den 1940er Jahren, doch es könnte sich wieder eine Wende einstellen, die Neil Howe als die „Vierte Wende“ bezeichnet und rund alle 80 Jahre erwartet.